„Ich habe mein Leben mit Büchern vergeudet, um Gott und die Welt zu verstehen …“
Ok, so schlimm wie für Fürst Colloredo in Mozart! war es nicht, aber tatsächlich habe ich, bevor ich die Musik oder genauer den Gesang für mich entdeckt habe, zunächst einmal die Natur untersucht und gedeutet. Obwohl ich aus einer musikalischen Familie stamme, habe ich als Kind nie ein Instrument gelernt (was ich heute sehr bereue) und statt dessen lieber alles mögliche aus dem Garten eingesammelt und unter meinem kleinen Mikroskop betrachtet.
Natürlich war es nicht so, dass ich mich nicht für Musik interessierte, ich hörte gerne und viel Musik aus verschiedenen Genres, aber selber welche zu machen geschweige denn zu singen, kam mir nie in den Sinn. Mein erstes Musicalerlebniss hatte ich, wie vermutlich viele, die in der Nähe des Ruhrpotts aufgewachsen sind, Mitte der 90er bei Starlight Express. 1997 folgte dann zu Weihnachten Joseph and the amazing technicolor Dreamcoat in Essen. Bis heute ein Musical, dass ich von vorne bis hinten auswendig mitsingen kann.
Wirklich entfacht wurde meine Leidenschaft aber erst viele Jahre später, zum Ende meiner Biologie-Promotion in Karlsruhe (die Bücher und die Natur eben). 2012 wurde dort im nahen Ettlingen bei den Schloßfestspielen Aida mit Julia Gamez-Martin als Aida und Jesper Tydén als Radames gespielt und unmittelbar nach der Vorstellung war es plötzlich klar – ich möchte auch singen!
Die kleine, gemeine innere Stimme versuchte mir im ersten Moment natürlich zu erklären, dass ich mit Ende zwanzig dafür ja wohl etwas zu alt wäre, doch ich ignorierte sie gekonnt und suchte mir im Internet eine Lehrerin. Tatsächlich wurde ich auch schnell fündig und hatte so meine ersten, wenn auch klassischen Gesangsstunden. Mit meinem Umzug nach Köln Anfang 2013 wechselte ich dann zu Rebecca Henke, die nach funktionaler Stimmbildung (nach Cornelius L. Reed) im Bereich Musical unterrichtet.
Unter ihren Fittichen stand ich dann ein paar Mal bei Schülerkonzerten und einmal sogar bei einer Hochzeit auf der Bühne, doch von mehr wagte ich nach wie vor nicht zu träumen. Ich wusste, dass ich nicht ganz furchtbar schlecht singe, doch ich war inzwischen über 30, was mehr als ein schönes Hobby sollte es also auch noch werden? Als 2016 der Musicalchor Köln gegründet wurde, kam dann auch diese fiese innere Stimme wieder dazu, welche mir über ein Jahr lang sagte, dass ich sicherlich nicht gut genug sei, schließlich war der Chor ein Auswahlchor und ich kannte einige der Sängerinnen und Sänger – und die waren gefühlt um Längen besser als ich.
Anfang 2017 traute ich mich dann aber doch und plötzlich ging alles ganz schnell: Kein halbes Jahr nach meiner Aufnahme in den Chor fand ich mich plötzlich mit „richtigen“ Musicaldarstellern bei den Musicalstars Lohne auf der Bühne wieder, ziemlich genau ein Jahr später durfte ich Mark Seibert bei einem seiner Konzerte unterstützen, Ende 2018 werde ich mit dem Chor im Ensemble bei Robin Hood dabei sein.
Lange Rede, kurzer Sinn: Es ist nie zu spät und man ist nie zu alt, um zu träumen und an der Verwirklichung seiner Träume zu arbeiten! Ich bin gespannt, wo die Reise noch hingehen wird – und ich freue mich darauf, Euch hier auf diesem Blog daran teilhaben lassen zu können!

Bild: Markus & Martina Jäger (http://www.jaegerfotografen.de/)